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60 JAHRE SPÄTER

 

1954, ein Jahr vor dem Staatsvertrag, maturierten wir im Haus an der Spittelwiese, um sechzig Jahre danach, am 15. September, von der Direktorin des Akademischen Gymnasiums in Linz, Frau Mag. Erika Hödl freundlichst empfangen zu werden.

Von unserer Absolventenklasse hatte sich in diesem Zeitraum schon ein Teil für immer verabschiedet, ein weiterer Teil war aus gesundheitlichen und privaten Gründen nicht mehr erschienen, aber entschuldigt.

Vom gymnasialen Leben hat sich bis heute vieles entscheidend verändert aber auch weiterentwickelt, so hatten wir nur ein einziges Mädchen, und auch das nur vorübergehend, in der Klasse, zur Zeit überwiegt ganzheitlich die Mädchenzahl.

Viel Neues und zum Teil Überraschendes war zu erfahren:

Die Schule rechtfertigt und verteidigt mit Erfolg ihren altphilologischen Kern mit Latein ab der dritten und Griechisch, mit der Alternative Französisch, ab der fünften Klasse; zugleich projektiert sie eindrucksvoll im aktuell-naturwissenschaftlichen Bereich ( etwa in Zusammenarbeit mit der Johannes Kepler Universität).

Im angeregten Wechselgespräch mit der Direktorin wurde einhellig der Bildungswert des nur scheinbar entlegenen Altgriechisch festgestellt, dessen ungebrochene Tradition in der Theaterkultur unserer Gegenwart, genauso wie im literarisch-wissenschaftlichen Bereich, auch in den Medien, dort vor allem in der Fremdwortpraxis, ständig fortwirkt. Nicht zuletzt fußt die ganze griechisch durchwirkte alteuropäische Philosophie auf jenen Denkern und ihren Systemen, die sich essayistisch in den aktuellen Universitätsvorlesungen und im damit zusammenhängenden Zeitungs- und Rundfunk-Feuilleton wiederfinden.

Der Lehrkräfte -und Schülermangel in Griechisch ist leider eine Tatsache, der von Linzer Seite aus mit Beharrlichkeit entgegengewirkt wird. Das Akademische Gymnasium teilt seinen Griechisch - Standort nur noch mit dem Petrinum und dem Stiftsgymnasium Kremsmünster.

An der Spittelwiese herrscht auch reges literarisches und musikalisches Leben, was in Konzerten, Liederabenden und Theaterdarbietungen zum Ausdruck kommt. In enger Zusammenarbeit mit der Linzer Stadtarchäologie wurde außerdem erfolgreiche Standortforschung betrieben. Die Schule steht, wahrscheinlich als einzige ihrer Art, über dem Militärlagerzentrum des römischen Lentia.

Wiederum strikt gegenwartsbezogen gibt es organisierte Bildungsfahrten nach Griechenland und Italien, ebenso Auslandstudentenaustausch und Stipendien, die das Unterrichtsspektrum erweitern.

Wenn man bedenkt, dass die Humanistischen Gymnasien in ganz Europa noch während des 17.und 18.Jahrhunderts die Fächer Griechisch, Latein und Hebräisch als obligatorisch in ihren Lehrplänen stehen hatten, dann wird , in der veränderten Welt von heute, auch jenes Potential sichtbar, das die Schule im Durchexperimentieren immer wieder neuer Unterrichts- möglichkeiten und Kombinationen weiterhin in sich trägt.

So bleibt das Gymnasium flexibel auch im Umgang mit der neu aufgekommenen Multireligiosität, auch mit der zugleich bestehenden Religionsfremdheit und Gegnerschaft aus den unterschiedlichsten Herkommen und Milieus von Schülerinnen und Schülern.

Es ist dies die humanistische Konsequenz eines übergeordneten Toleranzverständnisses bei klarer Selbstbehauptung der eigenen europäischen Überlieferung .

Klassentreffen60 kraft

Im Bild von links nach rechts: em. Univ.Prof. Stephan Haltmayer, Prof.Dkfm. Wolfgang Ortner, em. Univ.Prof. Hartwig Thim, Dir. Mag Erika Hödl, Monsignore Reinhold Kern, Dechant a.D. Pfarrer Ernst Pimingstorfer, Dr.Peter Kraft und Rupert Wied.               

 

Das hier nur in Grundzügen wiedergegebene Gespräch mit Mag. Erika Hödl, von der wir uns mit Dank verabschiedeten, nicht ohne den schulischen Hinweis, in Zukunft auch die website des „Akademischen“ als stets verfügbare Anregungs- und Gesprächsbasis zu benutzen , war für die kleine Schar der Gekommenen, Univ.Prof.Hartwig Thim, Univ.Prof. Stephan Haltmayr, Prof. Dkfm. Wolfgang Ortner, die beiden Geistlichen Monsignore Reinhold Kern und Dechant a.D. Pfarrer Ernst Pimingstorfer, Rupert Wied und Peter Kraft der schönste Auftakt, um nach der Zusammenkunft mit den begleitenden Damen der Klasse im Linzer Klosterhof die dreitägige Jubiläumsfahrt in das Stift Seitenstetten und das umgebende Mostviertel anzutreten.

In der Ritter-Kapelle des Stiftes wurde auch der bereits verstorbenen und entschuldigt abwesenden Klassenkameraden gedacht.                               – p.k.-

 

                           Dank und Gruß an die Freunde

( Für Renate ,Erika, Ingrid, Hedy und Elisabeth,Wolfgang, Hartwig, Rupert, Ernst, Reinhold, Stephan und mich )

Zusammenkunft, Gemeinschaft und Ausfahrt zum jährlichen Matura-Jubiläum, besonders wenn es zum 60. Mal seit 1954 geschieht, ist ein Geschenk für alle Beteiligten und soll deshalb auch für die Abwesenden aufgezeichnet sein.

Der 15. September war dafür ein endlich nachgeholter Termin, da vereinzelt Spitals- und Reha-Aufenthalte eine monatelange Aufschiebung der Jubiläumsfeier erzwangen.

Über ein ebenso freundliches wie informatives Gespräch mit Gymnasialdirektorin HR Mag. Erika Hödl gibt ein bereits vorbereiteter Bericht für die Zeitschrift „Absolventen Report“, der in nächster Zeit erscheinen wird, Auskunft.

Hier ist der Ort, um über unsere gemeinsamen Tage und Stunden, vom 15. bis zum 19.September 2014 nachzudenken und die frischen Erinnerungen festzuhalten.

Nach dem vormittäglichen Schulbesuch wurden wir zum Auftakt im Gastgarten des Klosterhof – Stieglbräu von unseren Damen Renate Ortner, Erika Wied, Ingrid Bruneder und Hedy Kühberger empfangen. Unsere Absolventengruppe setzte sich zusammen aus den beiden geistlichen Herren Reinhold Kern und Ernst Pimingstorfer, Wolfgang Ortner, Hartwig Thim, Stephan Haltmayer, Rupert Wied und Peter Kraft, dem Schreiber dieses Textes.

Der bis 19. September anberaumte Auto-Ausflug führte ins gastfreundliche Stift Seitenstetten, wohin uns Reinhold, einer geistlichen Dienstverpflichtung wegen, mit seiner Begleiterin Elisabeth erst am 18. September nachfolgen konnte.

Wie jeder und jede aus unserer Runde sammle ich sehr persönliche Eindrücke von dieser, mit herrlichem Nachsommerwetter beschenkten Fahrt zu einigen der schönsten Orte im Mostviertel. Die Sightseeing-Tour durch die noch immer grüne Hügellandschaft unter strahlendem Sonnenschein, inmitten von Fernblicken ins Donauland wie in die Voralpen hinein war ein Glücksfall der besonderen Art.

Besuchsziele waren das Ostarrichi-Museum in Neuhofen an der Ybbs, der Sonntagsberg mit seiner Wallfahrtsbasilika, die Aussichtswarte bei Ertl, Kirche und Wirtshaus von St.Leonhard am Walde und zuletzt das Most- und Vierkantermuseum beim Stift Ardagger mit

seiner herrlich restaurierten, gotisch-barocken Klosterkirche. Überall, an sämtlichen Stand- und Rastorten entdeckten Wolfgang und Renate Ortner für uns empfehlenswerte Gaststätten.

Die eigentliche Wohltat waren aber unsere Gespräche, unser Erfahrungsaustausch, die wechselseitigen Bereicherungen durch ein Hineinhören und Hineinsprechen in die geistigen Welten und Befindlichkeiten unserer, wenn auch nur kurzfristigen Nachbarschaften.

Der Dank dafür und die Schlussfolgerung daraus war eine abschließende, von Reinhold und Ernst gehaltene Andacht in der romanischen Ritter-Kapelle von Stift Seitenstetten, wo wir uns sowohl der unfreiwillig Abwesenden – Alfons Regwald, Paul Skarek und Dorothea Grünbacher -als auch der schon verstorbenen Klassenkameraden Hugo Bruneder, Wolfgang Grünbacher, Wolfgang Schmidsberger, Wilhelm Kühberger, Kurt Reiterer, Horst Rechberger und Franz Mayr erinnerten.

Mein Motto war der in Stein gemeißelte Portalspruch an der Frontwand des Stiftsmeierhofes von Seitenstetten , „ Sub umbra alarum tuarum“, gründungsgemäß eingerahmt von den Zahlen 17 und 71. Der unmittelbar auf die Zahl 17 bezogene Psalmenvers bietet genau die Übersetzung „Unter dem Schatten Deiner Flügel…“ und lautet in der erweiterten Wiedergabe: „ Bewahre mich wie einer, der seinen Augapfel hütet. Birg mich im Schatten Deiner Flügel“.

Diese Stelle berührte mich deshalb schon seit Jahren so stark, weil ich den Titel des Tagebuches von Jochen Klepper, einem deutschen Schriftsteller kannte, der aus Verzweiflung über die unabwendbare Nachstellung durch das NS-Regime 1942 mit Frau und Ziehtochter in den Freitod ging. Klepper war bekennender Protestant und als Romanautor, Lyriker,Essayist und zu seiner Zeit ein bekannter Literat.

Die Zahl 71 am Ende des lateinischen Zitats bleibt mir zunächst noch dunkel, sie muss unmittelbar nicht nur mit dem Vollendungsdatum des Meierhofes zusammenhängen, könnte aber genauso einer besonderen persönlichen Überlegung des Abtes, als Anspielungszitat aus dem 71.Psalm, entspringen. Leitmotivisch ist in diesem Text die Mühseligkeit und Ausgesetztheit des Alters angesprochen.

Der gegenwärtige Abt, mit dem ich darüber sprach, war lächelnd freundlich, aber sichtbar in Eile mit seinen Stiftsgymnasiasten. Sein Lächeln löste sich in leises Lachen auf, er stieß hervor: „ Ja, Ja, ´Unter Deinem Schutz und Schirm `…“

Und somit schließt sich für mich dieser Erinnerungskreis, wie bei allem Schönen, mit einem unsichtbaren, unaufgelösten Rest                                                 - p.k.-.